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SNSB Pressemitteilung
Zoologische Staatssammlung München

Namenlose Fliegen

München, 21. Mai 2019

Unsere heimischen Fliegen und Mücken zählen mit knapp 10.000 bekannten Arten zu einer der vielfältigsten Insektengruppen in Deutschland. Von 5.200 nun genetisch erfassten Arten dieser Gruppe konnte für über die Hälfte noch kein wissenschaftlicher Name zugeordnet werden. Die Ergebnisse ihrer Studie haben Forscher der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), des Museum Alexander Koenig in Bonn (ZFMK) und der University of Guelph, Kanada in der biologischen Fachzeitschrift Molecular Ecology Resources veröffentlicht.

Im Rahmen ihrer rund 10 Jahre andauernden Studie analysierten die Wissenschaftler insgesamt 45.000 sogenannte Zweiflügler (Diptera) aus Deutschland, zu denen Fliegen und Mücken gehören – mit einem überraschenden Ergebnis! Insgesamt wurden aus den Proben mittels DNA-Barcoding 5.200 verschiedene genetische Linien (sogenannte DNA Barcodes) ermittelt. Rund 2.500 davon konnten als bereits bekannte Arten identifiziert werden. Jedoch konnte für circa die Hälfte der genetischen Kennsequenzen kein wissenschaftlicher Artname zugeordnet werden. Die Wissenschaftler sprechen von sogenannten „Dark Taxa“ – Arten, die entweder noch keinen Namen haben oder deren Identifikation extrem schwierig ist.

Grundsätzlich ist die Gruppe der Diptera unter den Insekten die artenreichste Ordnung in Deutschland. Die meisten Arten sind allerdings sehr klein und unscheinbar und selbst für Experten anhand ihrer äußeren Merkmale nur sehr schwer zu bestimmen. „Uns fehlen weltweit die Fachleute für diese Insektengruppe,“ erklärt Jérôme Morinière, von der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) und Erstautor der Studie, „Wir hoffen nun, genug Diptera-Experten zu finden, die diese vielen unbekannten Arten bestimmen oder neu beschreiben können.“

Die Gensequenzierung erfolgte im Rahmen der Projekte "Barcoding Fauna Bavarica" und "German Barcode of Life" (www.barcoding-zsm.de). In diesen Projekten ermitteln die Münchner Forscher genetische Kennsequenzen (DNA-Barcodes) aller bayerischen, beziehungsweise deutschen Tierarten und stellen sie in einer Online-Bibliothek Fachleuten und der Öffentlichkeit frei zur Verfügung. Ziel der Initiativen ist es, eine Datenbank zu schaffen, mit der jedes unbekannte Tier, das in Deutschland gefunden wird, an Hand seiner DNA bestimmt werden kann. Bisher wurden von den ZSM-Wissenschaftlern DNA-Barcodes von etwa 23.000 deutschen Tierarten erstellt.

Bis die noch unerforschten „Dark Taxa“ einen wissenschaftlichen Namen erhalten, vergeben die Forscher vorläufige Zwischenbezeichnungen, die auf der genetischen Abgrenzung der Arten basieren. Gerade besonders artenreiche Gruppen wurden bisher in der Biodiversitätsforschung, im Naturschutz und in der ökologischen Forschung aufgrund ihrer schwer zu entschlüsselnden Verwandtschaftsverhältnisse oft vernachlässigt. Die nun publizierte Studie zeigt: Auch die umfassende Sammlung der „genetischen Arten ohne Namen“ erweist sich als effektive Referenz-Bibliothek für die Untersuchung solcher Gruppen.

Publikation
Morinière, J., Balke, M., Doczkal, D., Geiger, M. F., Hardulak, L. A., Haszprunar, G., Hausmann, A., Hendrich, L., Regalado, L., Rulik, B., Schmidt, S., Wägele, J. and Hebert, P. D. (2019), A DNA barcode library for 5,200 German flies and midges (Insecta: Diptera) and its implications for metabarcoding‐based biomonitoring. Mol Ecol Resour. https://doi.org/10.1111/1755-0998.13022

Kontakt
Dieter Doczkal
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstraße 21
81247 München
Tel.: 089 8107 146
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Jérôme Morinière
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstraße 21
81247 München
Tel.: 089 8107 121
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Twitter: @SNSB_Aktuell

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Exemplar von Conops scutellatus aus der Gruppe der Dickkopffliegen, das im Rahmen des „German Barcode of Life“ Projekts genetisch erfasst wurde. (Bild: ZFMK, Bonn – GBOL – German Barcode of Life)

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